Automatisierungsgrad (Automation Rate): Definition, Messung & Praxis
Der Automatisierungsgrad – englisch Automation Rate – gibt an, welcher Anteil der Prozesse oder Aufgaben in einem Unternehmen durch Technologie statt durch manuelle Arbeit ausgeführt wird. Als KPI macht er den Umsetzungsstand von Automatisierungsinitiativen direkt messbar. Gerade für Unternehmen, die mehrere Automatisierungsprojekte parallel betreiben, schafft diese Kennzahl Transparenz darüber, wie weit die tatsächliche Umsetzung bereits reicht.
Was ist der Automatisierungsgrad?
Der Automatisierungsgrad beschreibt das Verhältnis zwischen automatisiert ausgeführten Aufgaben und der Gesamtzahl der Aufgaben in einem definierten Workflow oder Verantwortungsbereich. Je höher der Wert, desto geringer ist der Anteil der Arbeit, der noch menschliches Eingreifen erfordert.
Die Kennzahl lässt sich als Messgröße für Automation Adoption verstehen: Sie zeigt nicht, welche Technologien eingesetzt werden, sondern wie stark sich eine Organisation tatsächlich auf automatisierte Systeme stützt. Damit unterscheidet sie sich von Begriffen wie „Automatisierungstechnik" oder „Automatisierungskonzept", die Wirkmechanismen beschreiben – nicht den erreichten Grad.
Wie wird der Automatisierungsgrad gemessen?
Die Berechnung folgt einem einfachen Prinzip: Anzahl automatisierter Aufgaben geteilt durch die Gesamtzahl der Aufgaben in einem Bereich. Entscheidend ist dabei, was als „automatisierte Aufgabe" zählt.
Als automatisiert gilt eine Aufgabe, wenn sie ohne laufenden manuellen Eingriff ausgeführt wird – etwa durch Software-Werkzeuge, Robotic Process Automation (RPA) oder SOP-Automation (Automation entlang von Standard Operating Procedures). Als manuell zählen dagegen Aufgaben, bei denen menschliche Entscheidungen oder Kontrolle weiterhin notwendig sind, zum Beispiel bei komplexen Fallunterscheidungen.
Die Kennzahl kann bereichsspezifisch ausgewertet werden – etwa als Automation Rate für:
- Procurement
- Accounts Payable (AP)
- Accounts Receivable (AR)
- Reconciliation
- Reporting
Diese Teilbetrachtungen helfen, gezielt die Bereiche zu identifizieren, in denen der Automatisierungsgrad noch niedrig ist.
Vorteile eines höheren Automatisierungsgrads
Ein steigender Automatisierungsgrad wirkt sich vor allem operativ aus:
- Reduktion repetitiver Tätigkeiten entlastet Mitarbeitende und senkt die Fehlerquote bei Routineaufgaben.
- Kürzere Durchlaufzeiten entstehen dort, wo zeitkritische Standardanfragen oder Routinevorgänge automatisiert bearbeitet werden.
- Schnellere Reaktionsfähigkeit ist besonders in der Kundenkommunikation relevant: Wiederkehrende Anfragen – etwa allgemeine oder routinemäßige Kundenanfragen – können durch eine KI-gestützte Plattform automatisch beantwortet werden, ohne dass Mitarbeitende eingreifen müssen.
Automatisierungsgrad erhöhen: Ansätze aus der Praxis
Um den Automatisierungsgrad systematisch zu steigern, nennt das Original drei Ansätze:
- Wiederholende Aufgaben identifizieren und prüfen, ob sie für Automatisierung geeignet sind.
- Mitarbeitende qualifizieren, damit sie Automatisierungstools und -prozesse effektiv nutzen können.
- Regelmäßiges Monitoring automatisierter Prozesse einrichten, um weitere Optimierungspotenziale zu erkennen.
Der Automatisierungsgrad dient dabei als Ausgangspunkt: Er zeigt, wo Handlungsbedarf besteht, und macht Fortschritte nach Maßnahmen messbar.
Fazit
Der Automatisierungsgrad ist ein praxisnaher KPI, der den Umsetzungsstand von Automatisierung in konkreten Zahlen ausdrückt. Er lässt sich workflowbezogen oder bereichsspezifisch auswerten – von Procurement bis Reporting – und liefert damit eine belastbare Grundlage für gezielte Verbesserungsmaßnahmen. Wer den Automatisierungsgrad regelmäßig misst und beobachtet, kann Effizienzpotenziale strukturiert erschließen und den Ressourceneinsatz in operativen Abläufen gezielt steuern.